Die Lehrde, ein kiesgeprägtes Fließgewässer mit einem weitgehend naturnahen Charakter, durchfließt im Mittellauf die Landkreise Verden und Heidekreis. Im Herbst 2022 wurde mit einem Kooperationsprojekt in den Ortschaften Neddenaverbergen und Hamwiede, flussaufwärts der Bundesautobahn 27, ein 1.600 m langer Gewässerabschnitt aufgewertet.

Vor der Maßnahmenumsetzung war die Lehrde durch eine mobile Sandschicht geprägt.
Uferabbrüche waren fast überall zu erkennen.
Die Lehrde hat hier zwar einen recht naturnahen Gewässerverlauf, doch es waren erhebliche Defizite zu erkennen. In dem eigentlich kiesgeprägten Gewässer fehlte die natürliche Kiesschicht fast komplett oder war stark von Sedimenten überlagert. Auch die Ufergehölze waren zum Teil nur einseitig vorhanden. Die Lehrde hat sich über die Jahre immer weiter eingetieft und verbreitert. Durch die daraus resultierenden Uferabbrüche kam es zu starken Einträgen von Sand und Sedimenten ins Gewässer, die sich über die Gewässersohle legten und die Lebensräume zerstörten. Auch die Strömung war aufgrund der Breite und der fehlenden Strukturen sehr laminar. Um die Tiefenerosion zu stoppen, die Struktur- und Strömungsvielfalt im monotonen Gewässerbett wieder zu erhöhen und Laichhabitate für die Fischfauna sowie Lebensräume für die Wirbellosen zu entwickeln, sollte ein 1.600 m langer Gewässerabschnitt revitalisiert werden.
Eigentlich wollten die örtlichen Angler als Pachtgemeinschaft Mittlere Lehrde den Gewässerabschnitt aufwerten und einen Antrag beim NLWKN einreichen, da sie aber kein Verein sind, waren sie nicht förderfähig. Aus diesem Grund wurde die Aktion Fischotterschutz um Unterstützung gebeten. Da die Maßnahme aufgrund der Größe nicht über das Barben-Projekt finanzierbar war, übernahm die Aktion Fischotterschutz die Trägerschaft und beantragte Mittel über das Land Niedersachen über das Maßnahmenprogramm Fließgewässer. Der Landkreis Verden übernahm die Kofinanzierung. Da die Lehrde in diesem Abschnitt durch den Landkreis Verden und den Heidekreis fließt, mussten beide Landkreise einbezogen werden. Auch die Zustimmungein von rund 30 Anliegern und Bewirtschaftern mussten eingeholt werden, aber alle standen der Maßnahme sehr positiv gegenüber.

Im Oktober 2022 startete die Maßnahme und es wurden drei Sandfänge angelegt. Da die Lehrde ein kiesgeprägtes Gewässer ist, sollte das fehlende natürliche Hartsubstrat (Kies, aber auch Totholz) in das Gewässer zurückgebracht werden. Hierfür wurde zuerst in vielen Abschnitten die mobile Sand-/Sedimentschicht entnommen und ein Substrataustausch mit Kies vorgenommen. Zusätzlich wurden unzählige Kiesbetten eingebracht, einzeln, gegenüberliegend und wechselseitig. Es wurden fast 4.000 Tonnen Kies mit unterschiedlicher Fraktionierung eingebaut. Die eingebrachten Kiesbetten dienen kies- und strömungsliebenden Fischarten, wie z.B. Bachforelle und Elritze, als Laichhabitat und Lebensraum.

Weiterhin wurden Totholzelemente in Form von Wurzelstubben, Raubäumen und Stammhölzern eingebaut, die wichtige Unterstände für die Fischfauna und Lebensräume für die Kleinlebewesen darstellen. Die Wurzelstubben mit langem Stammansatz wurden bis zur Gewässermitte eingebracht und zum Teil beidseitig umströmt. Die Lenkbuhnen aus Hartholz wurden bis zu 2 m im Ufer fixiert und wechselseitig eingebracht, mal einzeln, mal drei gestapelt, mal zwei parallel liegend, um wieder Strömungsvarianzen und auch Flachwasserzonen zu entwickeln. Ziel war es, mit dem Einbau von Kies und Totholz die Lehrde wieder partiell einzuengen und dass viel zu breite Gewässerbett, mit Breiten teils über 6 m, wieder naturnäher zu gestalten. Hierdurch sollten die Fließgeschwindigkeit sowie die Schleppkraft erhöht werden. Dies ist von großer Bedeutung, damit die Ablagerung von Sedimenten auf dem Kies reduziert wird und die Lebensräume im Kies erhalten bleiben.
Zusätzlich wurden einige steile und instabile Uferbereiche ab Mittelwasser abgeflacht und natürlicher gestaltet oder der Stromstrich so gelenkt, dass ein weiteres Unterströmen reduziert wird. Durch die Abflachungen sind wieder feuchte Standorte entstanden, die es aufgrund der steilen Böschung vorher nicht gab.

Bildung von seichten Uferabfachungen. 
Uferabflachungen sowie Einbau von Kies und Totholzstrukturen bilden neue Lebensräume im Gewässer und am Ufer.
Ein großer Problembereich war die zu breite Unterführung der Autobahn, in der sich Sedimente und Sande abgelagert haben und zu einem Rückstau flussaufwärts führten. Im Rahmen der Bauarbeiten wurde auch dieser Abschnitt eingeengt, sodass die Lehrde wieder gut strömt.

Nach 1,5 Monaten waren die Baumaßnahmen auf 1,6 km Länge abgeschlossen. Das Wetter hat sich gut gehalten, sodass die Schäden an den Grünländern gering waren. Die Einsaat der Flächen wurde auf das Frühjahr verlegt, da frostige Tage bevorstanden.
Zum Abschluss fand ein Abnahmetermin mit den Anliegern, Bewirtschaftern, NLWKN und der Presse statt, bei dem gemeinsam die Maßnahme abgegangen und begutachtet wurde. Es war schön zu sehen und zu hören, dass alle mit der Maßnahmenumsetzung zufrieden waren, diese befürworten und die Baumaßnahme und die Absprachen gut geklappt haben. Die Maßnahme ist ein gutes Beispiel dafür, dass durch ein gemeinsames Vorgehen vom Landkreis Verden, dem Heidekreis, dem Unterhaltungsverband Lehrde, den Flächeneigentümer und Bewirtschafter viel erreicht werden kann. Ein großes Dankeschön an alle, die mitgewirkt und dies so großartig unterstützt haben!!!
- Umsetzung: Herbst 2022
- Kooperationspartner:
Untere Naturschutzbehörde Verden, Unterhaltungsverband Lehrde, angrenzende Flächeneigentümer und Bewirtschafter - Landkreis: Landkreis Verden, Heidekreis

