Trittsteinbiotop an der Oker (Didderse)

An der Oker bei Didderse wurde bereits im Frühjahr 2022 mit der Planung einer Revitalisierungsmaßnahme begonnen. Nachdem mehrere Streckenabschnitte als potentielle Revitalisierungsstrecken identifiziert wurden, fiel die Wahl auf einen etwa 300 m langen Gewässerabschnitt an der Gemeindegrenze zu Neubrück. Der Abschnitt war geprägt von einer sandigen und mobilen Sohle, geringer Laufkrümmung, einer steilen und hohen Böschung und geringer Beschattung durch Ufergehölze. Allerdings wurden bei genauerer Betrachtung der bedeutsamen Strukturparameter bereits einige Entstehungsprozesse der eigendynamischen Gewässerentwicklung erkannt. Diese Entstehungsprozesse bildeten die Grundlage für die Planung einer Revitalisierungsmaßnahme, welche die Defizite des Gewässerabschnitts berücksichtigt und die eigendynamische Prozesse gezielt fördert.

Ein weiteres Potential des Abschnitts bildete eine östlich angrenzende und zu großen Teilen brachliegende Fläche, welche sich im Eigentum der Schweineweiden-Interessentenschaft Didderse befindet. Bei einem Treffen vor Ort mit dem Vorstand der Eigentümergemeinschaft stellte sich heraus, dass die Fläche, obwohl sie direkt an die Oker grenzt und im Überschwemmungsgebiet liegt, zu trocken ist, um darauf Forstwirtschaft zu betreiben. Da die Flächeneigentümer:innen gegenüber der Umsetzung einer Naturschutzmaßnahme aufgeschlossen waren, wurde eine verbesserte Vernässung der Waldfläche bei Hochwasser geplant.

Auf Grundlage einer Hochwassersimulation wurde ermittelt, dass eine Absenkung der Böschung im Maßnahmenbereich zu keinem erhöhten Überschwemmungsrisiko auf landwirtschaftlichen Flächen oder gar Siedlungsflächen führt. Nach Absprache mit allen Beteiligten wurde daraufhin an vier Stellen im Maßnahmenbereich die Böschung abgesenkt, sodass die Oker bei hohen Wasserständen leichter über das östliche Ufer treten kann und die Entstehung eines standorttypischen Auwaldes erleichtert wird. Durch eine Initialpflanzung mit standorttypischen Gehölzen im Herbst 2023 soll dieser Prozess unterstützt werden. Aufgrund der guten Zusammenarbeit mit der Schweineweiden-Interessentenschaft Didderse konnten gegen eine Entschädigung acht junge Eichen aus einem nahe gelegenen Bestand entnommen und gut gesichert als Raubaum in die Oker eingebaut werden. In dem verzweigten Geäst der Raubäume können viele Kleinlebewesen und auch Fische Unterschlupf und Nahrung finden.

Die fest verankerten großen Eichenstämme zeugen nun viel Strömungsvielfalt in der Oker.

Auf dem etwa 290 m langen Gewässerabschnitt wurden sieben Wurzelstöcke, sechs Lenkbuhnen aus großen Eichenstämmen, über 600 t Kies unterschiedlicher Fraktionen und sieben Raubäume eingebaut. Die Strukturelemente wurden so angeordnet, dass die Strömung stellenweise erhöht und an anderer Stelle wieder verlangsamt ist. Somit sind auf relativ kleinem Raum unterschiedlichste Strukturen entstanden, die Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten bieten und die eigendynamische Entwicklung des Gewässerabschnitts unterstützen.

Der Kies wurde an zwei Stellen als Schwelle über der gesamten Gewässerbreite und an drei weiteren gegenüber den Strömungslenkern aus Stammholz eingebracht. An zwei Stellen wurden Kiesfraktionen verwendet, die nicht vollständig lagestabil sind und sich mit der Zeit im Maßnahmenbereich verteilen.

Es strömt ordentlich. In der Mitte der Schwelle ist eine Rinne, damit auch in den trockenen Sommermonaten die Durchgängigkeit sichergestellt ist.

Vier Wurzelstubben und ein Raubaum wurden in Kombination mit den Kiesschwellen eingebaut. Das Wasser strömt nun zwischen den Kieselsteinen und dem Wurzelgeflecht hindurch, eine Vielzahl von Nischen und Höhlen sind entstanden, in denen sich Insektenlarven, aber auch junge, strömungsliebende Fische aufhalten können.           

Dank der Unterstützung der vielen Beteiligten und auch aufgrund der hohen Flexibilität der ausführenden Baufirma konnte ein weiteres wichtiges Trittsteinbiotop im Unterlauf der Oker angelegt werden. Die Ergebnisse der Initialbefischung haben gezeigt, dass die vielen neuen Strukturen auf dankbare Abnehmer treffen werden.

  • Umsetzung: Januar/Februar 2023
  • Kooperationspartner: LK Gifhorn, Unterhaltungsverband Oker, Samtgemeinde Papenteich, Gemeinde Didderse
  • Landkreis/Stadt: Landkreis Gifhorn