Die Westaue in der Region Hannover ist als sand- und lehmgeprägter Zufluss der Leine eingestuft. Die Leine wiederum befindet sich in diesem Gebiet im Übergang von Barbenregion des Berglandes zur Brassen-Alandregion und beherbergt eine der wichtigsten Barbenpopulationen Niedersachsens. Aus verschiedenen Fischbestandserhebungen ist bekannt, dass die Westaue zumindest als Lebensraum für junge Barben fungiert.

Der Fluss weist jedoch mehrere schwerwiegende Defizite auf. Der Unterlauf der Westaue ist begradigt und sehr stark eingetieft. Von der Böschungsoberkante bis zum Gewässergrund beträgt die Distanz fast 3 m. Die Verbindung des Flusses mit seiner Aue ist somit nur bei starken Hochwasserereignissen vorhanden. Das Abflussprofil ist stark überdimensioniert, um den Rückstau eines Leinehochwassers aufnehmen zu können. In trockenen Sommermonaten führt dies dazu, dass nur noch ein dünner Wasserfilm von wenigen Zentimetern den Gewässerboden bedeckt. Die ökologische Durchgängigkeit insbesondere für große Fische ist dadurch stark eingeschränkt. Laichhabitate für kieslaichende Fische wie die Barbe sind praktisch nicht vorhanden. Vielmehr ist das Gewässer geprägt von einer mobilen Sandsohle, die den Kies überlagert und das Anwachsen und Etablieren von Wasserpflanzen stark erschwert. Dies führt dazu, dass sich die bereits extrem tiefe Gewässersohle weiter eingräbt. Durch die starke Eintiefung der Westaue ist eine außergewöhnlich hohe und steile Böschung entstanden. Strömungsberuhigte Flachwasserbereiche und sanft ansteigende Uferbereiche, die für den Aufwuchs von Jungfischen sehr wichtig sind, sind dadurch kaum vorhanden. Die Westaue verläuft zudem sehr geradlinig. Ufergehölze, die das Gewässer beschatten und wichtiges Flussholz liefern, sind nur sehr vereinzelt vorhanden.
Gemeinsam mit dem Unterhaltungsverband 53 West- und Südaue wurde nun auf einer Gewässerstrecke von etwa 600 m Länge eine Revitalisierungsmaßnahme umgesetzt. Der Abschnitt der Aktion Fischotterschutz e.V. beträgt etwa 400 m.
Auf der Strecke wurden acht bis zu neun m lange Baumstämme als Lenkbuhnen eingebaut. Sie lenken den Stromstrich auf die gegenüberliegende Gewässerseite und sorgen für Strömungsvielfalt und gut angeströmte Kiesbänke. Mit 320 Tonnen Kies wurden zwei große Kiesbänke und eine Kiesschwelle auf voller Gewässerbreite entwickelt. Jeweils acht Raubäume und Wurzelstubben komplimentieren die strukturverbessernde Maßnahme. Sie fördern ebenfalls die Strömungsdiversität und ihr verzweigtes Geäst bietet Lebensraum für Kleinlebewesen und Jungfische. Ein Sohlrechen auf voller Gewässerbreite soll Treibgut auffangen. Es soll getestet werden, ob ein solcher Sohlrechen zur Anhebung der Gewässersohle in dem extrem stark eingetieften Gewässer dienen kann.
An zwei Stellen wurde das Gewässer durch Bodenabtrag im Mittel- bis Hochwasserprofil aufgeweitet und die Neigung der Böschung abgeflacht. Dadurch wurden strömungsberuhigte Flachwasserbereiche geschaffen, die den Aufwuchs von Jungfischen fördern. Zudem wurde der aquatisch-terrestrische Übergangsbereich stark verbessert, der Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen bietet.
Die Maßnahme wurde in enger Abstimmung und in Kooperation mit dem UHV West- und Südaue sowie der Region Hannover geplant und umgesetzt.
Die untere Naturschutzbehörde der Region Hannover erteilte eine Ausnahmegenehmigung zur Umsetzung der Maßnahme im April, zu Beginn der Vogelbrutzeit. Um Bodenbrüter davon abzuhalten im Baustellenbereich zu brüten, wurde bereits Mitte März eine Vergrämungsmaßnahme mit Flatterbändern erstellt.
- Umsetzung: April 2024
- Kooperationspartner: Unterhaltungsverband 53 West- und Südaue, Region Hannover, Stadt Wunstorf
- Landkreis/Stadt: Region-Hannover



