Die Westaue in der Region Hannover ist als sand- und lehmgeprägter Zufluss der Leine eingestuft. Die Leine wiederum befindet sich in diesem Gebiet im Übergang von Barbenregion des Berglandes zur Brassen-Alandregion und beherbergt eine der wichtigsten Barbenpopulationen Niedersachsens. Aus verschiedenen Fischbestandserhebungen ist bekannt, dass die Westaue zumindest als Lebensraum für den Aufwuchs junger Barben fungiert.
Der Fluss weist jedoch mehrere schwerwiegende Defizite auf. Die Ergebnisse der Barben-Habitatkartierung in der Gemeinde Blumenau haben gezeigt, dass die Westaue im Unterlauf aufgrund des Gewässerausbaus nur einen sehr geringen Feinkiesanteil in der Sohle aufweist. Laichhabitate für kieslaichende Fische wie die Barbe sind praktisch nicht vorhanden. Vielmehr ist das Gewässer geprägt von einer mobilen Sandsohle, die den Kies überlagert und das Anwachsen und Etablieren von Wasserpflanzen stark erschwert. Dies führt dazu, dass sich die bereits extrem tiefe Gewässersohle weiter eingräbt.
Durch die starke Eintiefung der Westaue ist eine außergewöhnlich hohe und steile Böschung entstanden, strömungsberuhigte Flachwasserbereiche und sanft ansteigende Uferbereiche, die für den Aufwuchs von Jungfischen sehr wichtig sind, sind dadurch kaum vorhanden. Die Westaue verläuft zudem sehr geradlinig. Ufergehölze, die das Gewässer beschatten und wichtiges Flussholz liefern, sind nur sehr vereinzelt vorhanden.
Eines der gravierendsten Defizite ist jedoch die überdimensioniert Breite des Flusses. Bei niedrigen bis mittlerem Wasserständen führt die Westaue so wenig Wasser, dass aufgrund des Ausbauprofils nur noch sehr geringe Wassertiefen erreicht werden. Diese Situation ist teilweise so ausgeprägt, dass die Durchgängigkeit für größere Fische höchstwahrscheinlich nicht mehr vollständig gegeben ist. Bei hohen Wasserständen ist die Westaue allerdings bis zur Böschungsoberkante voll.

Der unbefriedigende ökologische Zustand soll nun auf einem 500 m langen Gewässerabschnitt verbessert werden. Durch den gesicherten Einbau von Flussholz und Baumstämmen soll das Gewässerbett bei mittleren Wasserständen eingeengt werden, sodass gewässerspezifische Strömungs- und Tiefenvarianzen entstehen. Ein großes Potential bilden die breiten und ungenutzten Uferrandsteifen, welche sich zu großen Teilen im Besitz des Unterhaltungsverbands (UHV) West- und Südaue befinden. Hierdurch kann bei der Maßnahmenplanung eine eigendynamische Entwicklung der Uferbereiche bis hin zu Böschungsabflachungen und -absenkungen berücksichtigt werden. Wechselseitige Abflachungen der Böschung sollen die Laufkrümmung erhöhen. Um den entstehenden Rohboden gegen Abbruch und Abschwemmung bei hohen Wasserständen zu schützen, sollen Weidenspreitlagen eingebaut werden.
An mehreren Stellen wird durch das Einbringen einer Kiessohle der oberhalb liegende Gewässerboden leicht angehoben und wichtige Kieslaichplätze für die Barbe entwickelt. Gehölzpflanzungen im Böschungsbereich sollen die Böschung festigen, das Gewässer beschatten und die ökologische Vielfalt der Uferbereiche erhöhen.
Die Maßnahme wird in enger Abstimmung und in Kooperation mit dem UHV West- und Südaue sowie der Region Hannover geplant und umgesetzt.
- Umsetzung: 2023
- Kooperationspartner: Unterhaltungsverband 53 West- und Südaue, Region-Hannover
- Landkreis/Stadt: Region-Hannover
