Die Westaue in der Region Hannover ist als sand- und lehmgeprägter Zufluss der Leine eingestuft. Die Leine wiederum befindet sich in diesem Gebiet im Übergang von Barbenregion des Berglandes zur Brassen-Alandregion und beherbergt eine der wichtigsten Barbenpopulationen Niedersachsens. Aus verschiedenen Fischbestandserhebungen ist bekannt, dass die Westaue zumindest als Lebensraum für den Aufwuchs junger Barben fungiert.
Der Fluss weist jedoch mehrere schwerwiegende Defizite auf. Die Ergebnisse der Barben-Habitatkartierung haben gezeigt, dass die Westaue im Unterlauf aufgrund des Gewässerausbaus nur einen sehr geringen Feinkiesanteil in der Sohle aufweist. Laichhabitate für kieslaichende Fische wie die Barbe sind praktisch nicht vorhanden. Vielmehr ist das Gewässer geprägt von einer mobilen Sandsohle, die den Kies überlagert und das Anwachsen und Etablieren von Wasserpflanzen stark erschwert. Dies führt dazu, dass sich die bereits extrem tiefe Gewässersohle weiter eingräbt.

In einem Kooperationsprojekt mit dem Unterhaltungsverband 53 West- und Südaue wurde auf einer Gewässerstrecke von 600 m Länge eine erste Revitalisierungsmaßnahme umgesetzt, um eine ökologische Aufwertung zu erreichen.
Da die Mittel im Barben-Projekt nicht ausreichten, beantragte der UHV erfolgreich Fördermittel für Maßnahmen zur Erhöhung der Biodiversität in der Region Hannover. Weitere Mittel kamen von der Stadt Wunstorf für die Fließgewässerentwicklung.
Der Abschnitt des Unterhaltungsverbands beträgt etwa 200 m. Auf der Strecke wurden 13 bis zu 9 m lange Baumstämme als Lenkbuhnen eingebaut. Sie lenken den Stromstrich auf die gegenüberliegende Gewässerseite und sorgen für Strömungsvielfalt und gut angeströmte Kiesbänke. Insgesamt wurden 110 Tonnen Kies eingebracht.
An einer Stelle wurde das Gewässer durch Bodenabtrag im Mittel- bis Hochwasserprofil aufgeweitet und die Neigung der Böschung abgeflacht. Dadurch wurden strömungsberuhigte Flachwasserbereiche geschaffen, die den Aufwuchs von Jungfischen fördern. Zudem wurde der aquatisch-terrestrische Übergangsbereich aufgewertet und bietet Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen.
Zwei Treibselfänge sollen Treibgut auffangen, welches dann als natürliches Totholzelement fungiert und zur Strömungsdiversität beiträgt. Acht Raubäume und 12 Wurzelstubben komplimentieren die strukturverbessernde Maßnahme. Sie fördern die Strömungsdiversität und ihr verzweigtes Geäst bietet Lebensraum für Kleinlebewesen und Jungfische.

Die viele Arbeit lohnt sich, wenn man weiß, dass diese Barbe in der Westaue schon auf den Kies wartet.
Weitere Informationen zu der Maßnahme finden Sie im Text zum Abschnitt der Aktion Fischotterschutz e.V.
- Umsetzung: April 2024
- Kooperationspartner: Unterhaltungsverband 53 West- und Südaue, Region-Hannover, Stadt Wunstorf
- Landkreis/Stadt: Region-Hannover

